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Der Kommunale Corona-Katalog

Die Corona-Krise stellt die Menschen in Mainz und Mainz-Bingen vor völlig neue Herausforderungen. Die Eindämmung der Pandemie hat bereits tiefe Einschnitte in den Alltag der Menschen mit sich gebracht und es ist absehbar, dass sich die Umstände in der kommenden Zeit noch verschärfen können. Unter den Einschränkungen leiden besonders diejenigen, die finanziell oder gesundheitlich nicht in der Lage waren, Rücklagen zu bilden oder ihren Alltag flexibel umzugestalten. Die Corona-Krise ist damit auch in dramatischem Ausmaß eine soziale Krise und muss als solche auch bekämpft werden. Wir erleben die Auswirkungen der neoliberalen Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte, die die Gesundheitssysteme kaputtgespart, öffentliche Einrichtungen entmachtet und soziale sowie kulturelle Einrichtungen zerschlagen hat.

Wir stehen kritisch-solidarisch an der Seite der Mainzer Stadtverwaltung, die in unserer Landeshauptstadt Maßnahmen umsetzen muss. Wir halten es aber ebenso für unerlässlich, dass wir, als soziale Opposition, nicht in Schockstarre verfallen und die Hände in den Schoß legen. Wir wollen zur Bewältigung der Corona-Krise beitragen, indem wir Lücken im städtischen Krisenmanagement aufzeigen und Lösungen zur Schließung dieser Lücken vorschlagen. Wir wollen auf die Situation derjenigen aufmerksam machen, die nicht die Kraft, Kapazität oder Reichweite haben, sich Gehör zu verschaffen. Wir machen es uns zur Aufgabe, darzulegen, dass verschiedene Maßnahmen auch ungewollte negative Konsequenzen für Suchtkranke, Depressive, Opfer von häuslicher Gewalt, Geringverdienende, Geflüchtete und vieler andere mit sich bringen können. Wir müssen die Fragen stellen, die vielleicht sonst niemand stellen kann oder will.

Daher haben wir den Kommunalen Corona-Katalog veröffentlicht, den wir fortlaufend erweitern, aktualisieren und korrigieren werden. Die Forderungen richten sich an die Stadt, stadtnahe Betriebe, soziale Einrichtungen und andere Träger. Wir ermutigen Vereine, Gruppen, Gewerkschaften, Betriebsräte oder Einzelpersonen dazu, uns Ideen, Vorschläge und Anregungen für den Katalog zu geben, die wir dann entsprechend bei der zuständigen Stelle einbringen können.

In den nächsten Monaten wird es entscheidend sein, dass die Ausbreitung des Corona-Virus durch verantwortliches und solidarisches Handeln eingedämmt wird, wir werden aber alles daran setzen, dass dabei niemand zurückgelassen wird.

Mitmachen!

 

 

 

 

Wir laden Gruppen, Verbände, Einrichtungen, Gewerkschaften, Vereine und Einzelpersonen herzlich ein, unseren Kommunalen Corona-Katalog zu erweitern, ergänzen und zu verbessern. Haben Sie eine Anregung, die in der aktuellen Krise bedacht oder umgesetzt werden sollte? Dann kontaktieren Sie uns über das Formular!

Keine Mieterhöhungen & Zwangsräumungen!

Die zu erwartenden Einkommenseinbußen bei Arbeitnehmer*innen durch Kurzarbeit oder Wegfall des Arbeitsplatzes, bei prekär Beschäftigten oder (Schein-)Selbstständigen dürfen das Grundrecht auf Wohnen nicht gefährden. Wir fordern bis zum Ende der Coronakrise auch als ökonomischer Krise ein absolutes Verbot von Zwangsräumungen und – nach dem im Berliner Modell bereits praktizierten Vorbild – das Einfrieren der Miethöhen (Mietenmoratorium) und analog der Hypothekenzahlungen orientiert am Mietspiegel von 2013 rückwirkend ab Jahresbeginn 2020 für fünf Jahre.


Mietfreiheit möglich machen!

Die Immobilienwirtschaft trägt nicht zum Gemeinwohl bei, im Gegenteil: Sie spaltet die Gesellschaft.
Aus diesem Grund bedürfen insbesondere sozial Benachteiligte wie Hartz-IV-Empfänger*innen, Menschen in schwierigen Lebenslagen wie Alleinerziehende, Senior*innen mit Minirente und junge Familien des Schutzes durch die Solidargemeinschaft. Sie sind aktiv zu unterstützen, wenn ihre Lage erfordert, dass die Mietzahlung ausgesetzt wird. Es gilt ein umfassender Kündigungsschutz. Eine Güterabwägung muss immer dem Sozialprinzip zugunsten der Mieter*innen folgen.


Strom-, Gas- & Wassersperren stoppen!

Einer der allgemeinen Ratschläge zum Umgang mit der jetzigen COVID-19-Pandemie ist es, sich sozial zu isolieren und möglichst auf eine gute Hygiene zu achten. Bestehende Strom- und Wassersperren machen dies für bestimmte Menschen unmöglich. Weder können sie z. B. Essen kochen, noch wären sie in der Lage sich vernünftig die Hände zu waschen.

Daher muss die Stadt darauf hinwirken, dass Netzbetreiber mit sofortiger Wirkung alle bestehenden Strom- und Wassersperren beenden, sowie keine weiteren einzusetzen, damit alle Bürger*innen für die absehbare Zeit adäquat versorgt werden können.
Grundsätzlich sollten Strom- und Wassersperren niemals eingesetzt werden, sind aber besonders in der aktuellen Krisensituation verheerend.


Mehr Fahrradstraßen & Tempo30!

Da die Nutzung des ÖPNV momentan mit Risiken verbunden ist und Autos die lungenschädliche Feinstaubbelastung verstärken (Feinstaub kann auch Viren transportieren!) ist das Fahrrad das sicherste Verkehrsmittel (neben dem Zufußgehen!)

Zum Schutz aller Mainzer*innen muss nun noch stärker als bisher darauf geachtet werden, dass unsere Luft so sauber wie irgendwie möglich ist.

Wir fordern deshalb, dass auf allen zwei- und mehrspurigen Straßen in Mainz je eine Spur als Fahrradspur ausgewiesen wird. Außerdem müssen noch viele weitere Straßen verkehrsberuhigt werden: Tempo 30 für die gesamte Stadt reicht völlig aus!

 


Mieträder kostenlos!

Die MVG soll die Nutzung im gesamten Bereich für die erste halbe Stunde für alle Nutzer*innen freigeben, um den Nahverkehr weiter zu entlasten. Das sichert außerdem Mobilität für finanzschwache Personen. Am Wochenende sollte die Nutzung für eine Stunde freigegeben werden, damit es auch für die Freizeit genutzt werden kann. Dringend muss auch der Ausbau im Landkreis Mainz-Bingen vorangetrieben werden.


Keine Fahrkartenkontrollen!

Sowohl der Fahrkartenkauf bei dem*der Fahrer*in als auch Fahrkartenkontrollen sollten unterbunden werden, um Personal, Fahrgäste und Kontrolleur*innen vor unnötigen Kontakten und der damit einhergehenden Infektionsgefahr zu schützen.


Mehr Spielstraßen!

Schulen, Kitas und sogar Spielplätze haben geschlossen. Wo sollen die Kinder spielen? Wo können sie hin, um sich zu bewegen, was für ihre Gesundheit und Entwicklung so wichtig ist?
Für Familien ohne eigenen Garten oder Zugang zu Freiflächen ist diese Frage eine besonders schwierige Herausforderung.
Spazieren gehen oder Rad fahren kann im eng bebauten Innenstadtbereich mit viel Verkehr sehr gefährlich sein.

Wir fordern deshalb, dass möglichst viele Straßen als Spielstraßen ausgewiesen werden, damit alle Familien sich sicher und wohnortnah an der frischen Luft bewegen können.


Risikogruppen freistellen!

In der Coronakrise müssen vor allem diejenigen geschützt werden, die einem besonderen Risiko ausgesetzt sind. Das gilt insbesondere für Menschen über 50 und/oder Menschen mit Vorerkrankungen. Besonders in städtischen und stadtnahen Betrieben muss es Angestellten, die dieser Risikogruppe angehören, gestattet werden, dem Arbeitsplatz fern zu bleiben und sich auch nicht dem riskanten Arbeitsweg auszusetzen. Das gilt insbesondere für Erzieher*innen, die im Kontakt mit Kindern einem besonderen Risiko ausgesetzt sind.


Durch die Kontaktsperre sollen soziale Begegnungen ausserhalb der Familie oder der häuslichen Gemeinschaft reduziert und (im Sinne der Hygiene) bestenfalls ausgeschlossen werden. Für Alleinlebende bedeutet dies, dass soziale Kontakte außerhalb von sozialen Medien oder Telefon nicht oder nahezu nicht mehr stattfinden.
Während dies für einige Mitmenschen eine neue, aber zu bewältigende Herausforderung darstellt, kann es für andere zu existenziellen Krisen führen.
Zum Einen…

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Plätze für Wohnungslose!

Wohnungslose Menschen sind durch die momentane Situation und den anstehenden Winter besonders bedroht, da ihnen die Möglichkeit fehlt, sich sozial zu isolieren und darüber hinaus die anstehenden Wintermonate eine gravierende Lebensgefahr für Obdachlose darstellen.
Um wohnungslosen Menschen in Mainz die Möglichkeit zu geben, sich gleichermaßen isolieren zu können wie alle anderen Bürger*innen in Mainz, muss die Stadt für Kapazitäten für würdige und sichere Unterkünfte sorgen, da die bestehenden Unterkünfte bereits am Belegungslimit sind. Sei es durch das Anmieten von Hotelzimmern, Belegen momentan leerstehender Wohnungen und Häuser oder das Aufstellen von Wohncontainern. Darüber hinaus muss die Stadt gemeinsam mit der Rheinlandpfälzischen Landesregierung ein Konzept zum Schutz von Obdachlosen im Corona-Winter, schaffen.


Wohnungslosenheime finanzieren!

Viele der Menschen, die auf der Straße leben, zählen auch zu den besonders gefährdeten Risikogruppen. Die Wohnungslosenunterkünfte können nicht jeden Bedarf abdecken, bieten aber schon vielen Menschen ein Dach über dem Kopf. Die Unterkünfte erhalten für jede Übernachtung einen Beitrag vom Jobcenter. Diese Zahlung wird allerdings nur 14 Tage bewilligt. Danach muss ein*e Wohnungslose*r in der Regel aus der Unterkunft heraus. Einrichtungen wie das Thaddäusheim oder Egli-Haus haben bereits erklärt, dass sie Wohnungslose in dieser Krise auch über die 14 Tage hinaus beherbergen. Das Jobcenter muss den Unterkünften unter die Arme greifen und Zahlungen auch nach den 14 Tagen Unterkunft leisten.


Mehr Plätze im Frauenhaus!

In vielen Frauenhäusern nimmt der Bedarf an Plätzen seit Beginn der Corona-Pandemie zu. Die Zunahme von häuslicher Gewalt wird befürchtet und gerade mit politischen Maßnahmen der sozialen Isolation, sowie der kälteren Monate, in denen sich das Leben vermehrt in den Wohnräumen abspielt, müssen die Kapazitäten frühzeitig erweitert werden, damit Frauen*, die Opfer häuslicher Gewalt werden, schnell und akut geholfen werden kann. Darüber hinaus muss die Stadt Kapazitäten schaffen, wenn die des Frauenhauses erschöpft sind. Hier müssen vorübergehende und schnelle alternative Unterbringungsmöglichkeiten gestellt werden.


Tafeln erhalten!

Die Existenz der Tafeln ist ein Armutszeugnis für unseren Sozialstaat, dem es nicht gelingt, Menschen ein existenzsicherndes Minimum zu gewähren. An den deutschen Tafeln stehen nicht nur Erwerbslose, sondern auch Niedriglöhner*innen, Rentner*innen, Geflüchtete und viele andere.  Die ehrenamtlich organisierten Tafeln decken einen wichtigen Teil der Versorgung von Menschen mit geringem Einkommen ab.

Es muss gesichert sein, dass die Tafeln weiterhin geöffnet bleiben können. Dabei muss die Gesundheit der ehrenamtlichen Helfer*innen der Tafeln dringend berücksichtig werden, da viele ehrenamtliche Helfer*innen selbst zu den Risikogruppen gehören, die durch Infektionen besonders gefährdet sind. Denkbar ist hier ein Austausch des Personals durch andere helfende Strukturen und eine mögliche Ausgabe im Freien.


Suchtkranke versorgen!

Treffen der Anonymen Alkoholiker*innen und die Spielsuchtambulanz pausieren; durch Wegfall des „kontrollierten“ Konsums in Kneipen und Spielotheken sind Spiel- und Alkoholsüchtige dem gefährlichen Alleinkonsum ohne soziale Kontrolle ausgesetzt. Der Zugang zu suchtbegleitenden Angeboten wurde großteils eingestellt und der Zugriff auf sauberes Spritzbesteck oder andere Suchtmittel ist nur noch schwer möglich.

Wir fordern: Der Zugang zu sauberem Konsumbesteck und sozialpsychologischer Betreuung muss gewährleistet bleiben, z. B. über Verstärkung der Telefonhotlines oder Video-Gesprächsgruppen.


Mehr Arztmobile!

Die Stadt Mainz und der Landkreis Mainz-Bingen sollten Busse zu Arztmobilen umbauen, um es Ärzten zu ermöglichen, mit einer voll ausgestatteten Praxis bis vor die Haustür von älteren oder vulnerablen Personen zu fahren. Damit verringert man das Risiko, dass diese Personen sich auf dem Weg zur Praxis oder im Wartezimmer anstecken. Während und nach der Pandemie können diese Praxisbusse weiterhin genutzt werden, auch im Rahmen der Versorgung von Obdachlosen und Unversicherten.


Schutz am Arbeitsplatz!

Es scheint widersprüchlich: Sozialkontakte müssen auf das absolute Minimum heruntergefahren werden, während in der Arbeitsstätte Kontakt zu Vielen weiterhin möglich bis erwünscht ist. Dabei ist sicherzustellen, dass in jeder Firma, auf jeder Baustelle, in jeder Fabrik etc. ausreichend hygienische Versorgung bereitgestellt wird und darüber hinaus auf Lüftungsmöglichkeiten geachtet wird. Wo diese Lüftungsmöglichkeiten nicht möglich sind, muss von der Stadt schnell und unbürokratisch Luftfilteranlagen bereitgestellt werden. Sodass alle Angestellten die Möglichkeit haben, häufig und gründlich ihre Hände mit Seife zu waschen, die Räume regelmäßig zu lüften und ausreichend Abstand zu den Mitarbeitenden zu halten.
Ist dies nicht möglich, muss über weitere Maßnahmen beraten werden! Der Schutz der Arbeitnehmer*innen muss immer vorgehen!


Mind. 90% Lohn bei Kurzarbeit!

Die derzeitige Höhe des Kurzarbeitergeldes bedeutet für die Betroffenen Einkommensverluste von bis zu 40 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens.
Gleichzeitig steigt die Zahl der Kurzarbeiter*innen bedingt durch die Corona-Pandemie auf Rekordniveau. Um viele Betroffene von der Zerstörung ihrer Existenz zu bewahren, fordern wir, dass die Stadt Mainz bei ihren Angestellten das Kurzarbeitergeld rückwirkend zum 1. März 2020 auf mindestens 90 Prozent des Nettoentgelts erhöht.


 

Hartz-IV-Sanktionen aufheben!

Der Hartz-IV-Regelsatz sichert seinen Empfänger*innen gerade einmal die Existenz, was Sanktionen bereits unter Normalbedingungen inakzeptabel macht! In Anbetracht der jetzigen Krise, in der die üblichen Mittel zur Erleichterung des Sanktionsdrucks (z.B. die Tafeln) nur spärlich verfügbar sind, sollten alle momentan bestehenden Sanktionen umgehend ausgesetzt werden.

Da zudem die Dauer der momentanen Situation noch nicht absehbar ist und Menschen auf den Bezug von Hartz IV angewiesen sind, um ihre Existenz zu sichern, soll das Jobcenter Mainz bis auf Weiteres alle bisher laufenden Bezüge von Hartz IV garantieren und in der Zwischenzeit auslaufende Bezüge automatisch um mindestens sechs Monate verlängern.


Home Office möglich machen!

Aktuell ist es von essentieller Bedeutung, möglichst von Zuhause aus zu arbeiten, um das Infektionsrisiko gering zu halten.

Allerdings wird dies nicht allen Beschäftigten möglich gemacht. Kontrollen finden nur im privaten und öffentlichen Umfeld statt, nicht aber in wirtschaftlichen Betrieben. Dies muss sich ändern: Ausnahmslos alle Bereiche, in denen es möglich ist, von Zuhause aus zu arbeiten, müssen viel vehementer darauf hingewiesen werden, ihren Beschäftigten dies zu ermöglichen. Dies gilt sowohl für stadteigene und stadtnahe Betriebe, als auch für die Privatwirtschaft. Der Schutz von Menschen muss vor wirtschaftlichen Interessen stehen!


Sonntags kein Verkauf!

Angestellte im Einzelhandel sind momentan besonders gefährdet und gefordert. Auch sie benötigen Ruhezeiten und Freizeit. Statt die Ladenöffnungszeiten auszuweiten, muss darauf hingewirkt werden, dass die Zahl der Einkaufenden in den Märkten gering gehalten wird; Mainzer*innen sollten angehalten werden, seltener einzukaufen. Auch so kann die Gesundheit von Angestellten und Kundschaft geschützt werden – verkaufsoffene Sonntage sind dafür nicht notwendig.


 

Festanstellung von vhs-Dozierenden!

Die Dozent*innen der VHS leisten v.a. durch die Erteilung der Integrations-, Berufssprach- und Deutschkurse einen wichtigen Beitrag für die soziale und berufliche Integration von Migranten*innen. Ihre Tätigkeit ist – wie andere systemrelevante Bereiche, z.B. die Pflege – strukturell unterfinanziert und von Ausbeutung geprägt. Trotz oft jahrelanger Tätigkeit werden keine festen Arbeitsverträge geschlossen, die Dozent*innen haben somit keinen Kündigungsschutz und zahlen die Sozialversicherungsbeiträge selbst. Die Vergütung erfolgt auf der Basis gegebener Stunden zu einem geringen Stundensatz. Dadurch können keine Rücklagen gebildet werden, um Einnahmeausfälle abzufedern. Auf der andere Seite wird zur Qualifikation vorausgesetzt, dass die Dozent*innen einen Hochschulabschluss vorweisen können.
Die Stadt Mainz profitiert von dieser Situation seit Jahren. Sie ist maßgeblicher Geldgeber der VHS und spart durch das prekäre Vergütungssystem Aufwendungen. Sie muss dafür sorgen, dass die von ihr wirtschaftlich Abhängigen in der Krise nicht allein gelassen werden.

Für die Zukunft fordern wir, dass die prekäre Beschäftigung der Dozent*innen in regelmäßige, sozialversicherungspflichtige Anstellungsverhältnisse überführt wird und angemessene Gehälter gezahlt werden. Die Stadt muss ihren Einfluss auf die VHS nutzen und die entsprechende finanziell Ausstattung der VHS bereitstellen.


Demokratie krisenfest gestalten!

In der aktuellen Krise sind alle nicht zwingend notwendigen Tätigkeiten, die ein Infektionsrisiko mit sich bringen, einzustellen. Doch was bedeutet das für unsere Demokratie? Häufig werden Sitzungen einfach abgesagt, Maßnahmen werden nur „von oben herab“ verkündet. Ein solcher Zustand kann nicht andauern!

Im Augenblick ist es rechtlich nicht oder nur sehr schwer möglich, Gremiensitzungen digital abzuhalten. Der Gesetzgeber sieht ein physisches Treffen vor. Daher muss der Landtag hier schnellstens handeln und eine Gesetzesänderung beschließen, die es den Kommunen ermöglicht, Gremiensitzungen auch per Video-, Telefonkonferenz oder in anderer Weise abzuhalten, die kein physisches Treffen erfordert.
Auch die Stadt muss sich dafür einsetzen, dass neue Wege gefunden werden.

Demokratische Kontrolle muss immer handlungsfähig sein  – auch im Krisenfall!


Kita- & Schulspeisungen erhalten!

Für viele Kinder aus prekären Verhältnissen sind Schul- und Kita-Speisungen leider die einzige komplette Mahlzeit am Tag. Daher setzt sich DIE LINKE dafür ein, dass diese weiter stattfinden oder in adäquater Weise ersetzt werden. Eine Möglichkeit wäre hier, dass man Gastronomiebetriebe mit einbezieht, die wegen der Pandemie gerade geschlossen haben und auf Einkünfte angewiesen sind.
Weiterhin ist es gerade jetzt notwendig, die Mahlzeiten kostenfrei anzubieten, um die Menschen finanziell zu entlasten.


Kunst & Kultur schützen!

Die Stadt muss Pläne erarbeiten, wie die lokale Kunstszene geschützt werden kann. Hier muss es unbürokratische Hilfe geben, um Künstler*innen, Clubs, Galerien, Bühnen etc. in Zeiten der Krise beizustehen. Neben Direktzahlungen wäre auch die Buchung von Online-Angeboten wie z.B. Konzerten, Lesungen, Kunstpräsentationen etc. möglich, die den Bürger*innen frei zur Verfügung gestellt werden. Dabei gilt es, gerade Solo-Selbstständige und freischaffende Künstler*innen, die keine Liquiditätshilfen in Anspruch nehmen können, finanziell zu unterstützen.


Keine Infiziertenlisten an Ordnungsbehörden!

In mehreren Städten ist es schon vorgekommen, dass die Polizei und Ordnungsbehörden Namens- und Adresslisten mit an Covid-19 erkrankten Personen zugespielt bekommen hat.
Dies kritisieren Datenschützer*innen aufs Schärfste; Jurist*innen schätzen das Vorgehen als rechtswidrig ein.

Auch wir schließen uns dieser Kritik an und fordern, dass Gesundheitsdaten vertraulich behandelt werden und ausschließlich Krankenhaus- und Pflegepersonal sowie Krankenkassen darauf zugreifen können. Nur so kann einem Missbrauch von diesen sensiblen Daten vorgebeugt werden!


Barzahlungsmöglichkeiten beibehalten!

Einige Geschäfte in Mainz halten ihre Kund*innen an, „möglichst“ bargeldlos zu bezahlen, was im Angesicht der Verbreitungsrisiken von COVID-19 verständlich ist. Doch muss hierbei nicht nur sichergestellt werden, dass diese Zahlung für Kund*innen ebenso hygienisch abläuft (indem z.B. Lesegeräte gereinigt werden), sondern es muss auch garantiert werden, dass Menschen, die keine Möglichkeit haben, bargeldlos zu zahlen, entweder weiter mit Bargeld zahlen können, oder diesen eine einfach bargeldlose Alternative zur Verfügung gestellt wird.


Zuschüsse für Lernmittel!

Noch immer herrscht in Rheinland-Pfalz keine Lehrmittelfreiheit; Familien sind gezwungen, zu Beginn jedes Schuljahres mehrere hundert Euro für Schulbücher auszugeben. Tauschbörsen für Schulbücher können aufgrund der Corona-Auflagen momentan nicht stattfinden.  Von Corona-bedingter Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffene Familien werden es also noch schwerer als sonst haben, die Mittel für Schulmaterial aufzubringen.  Wir fordern, dass Zuschüsse zu den Kosten für Lehrmittel unbürokratisch und schnell bereitgestellt werden bzw. die Kosten bei Beantragung komplett übernommen werden. Außerdem muss die Stadt Mainz beim Land Rheinland-Pfalz stärker darauf drängen, endlich die längst überfällige Lehrmittelfreiheit und damit ein Stück mehr Chancengleichheit für Kinder einzuführen.

Darüber hinaus haben die letzten Monate gezeigt, dass in der Digitalisierung des Bildungssystems lange Zeit vieles Verschlafen wurde. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass gerade finanziell schwache Schüler*innen und Familien unterstützt werden und schnell und unbürokratisch ein mobiles Endgerät zur Verfügung gestellt bekommen, um den digitalen Unterricht allen Schüler*innen zu ermöglichen, unabhängig ihrer finanziellen Lage. Dabei ist auf die Schulung eines pädagogischen Konzepts aller Lehrkräfte im Umgang mobiler Endgeräte für den Unterricht, zu achten.


 

Informationen mehrsprachig anbieten!

In unserer Stadt leben viele Menschen aus zahlreichen Nationen und mit vielfältigen kulturellen Hintergründen – nicht alle von ihnen sprechen oder verstehen die deutsche Sprache. Andere wiederum verstehen nur leichte oder einfache Sprache.

Es ist entscheidend, dass alle Menschen Zugang zu den notwendigen Informationen haben, die in der Coronakrise überlebenswichtig sind. Zu ihrem eigenen und dem Schutz von anderen, brauchen Menschen ohne deutsche Sprachkenntnisse einen einfachen und unkomplizierten Zugang.

Die Integrations- oder Migrationsbüros der Kommunen können hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie unter Einbindung der Migrationsbeiräte entsprechendes Material in vielerlei Sprachen bereitstellen.