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Bildung

Bildung für alle

Bildung ist ein Menschenrecht. Sie soll Menschen in die Lage versetzen, als Individuen und gemeinsam mit anderen ein freies, ein sozial verantwortliches und selbstbestimmtes Leben zu führen und die gesellschaftliche Entwicklung aktiv mitzugestalten. Eine solche emanzipatorische Bildung erfordert Selbstbestimmung der Lernenden und fördert Kreativität, Kritik- und Handlungsfähigkeit, Solidarität und historisch-politisches Bewusstsein. Sie entwickelt die Kompetenzen zur Bearbeitung der gesellschaftlichen und globalen Schlüsselprobleme der Menschheit. Bildung ist für uns eine umfassende Persönlichkeitsentwicklung und darf nicht auf den ökonomisch verwertbaren Wissenserwerb verengt werden. 

Die Möglichkeiten für alle Mainzer*innen sich Bildung anzueignen, ganz gleich in welcher Lebensphase, sind durch die in gemeinschaftlicher Verantwortung liegenden Mainzer Lebensbedingungen bedingt. Gute Lernbedingungen und gute Arbeitsbedingungen für Lehrende sind die beiden zentralen Voraussetzungen dafür. Soziale Selektion im Bildungswesen, auch durch finanzielle Hürden und Gebühren, gesundheitsgefährdende 

bauliche Zustände von Bildungseinrichtungen und eine unzureichende Förderung Bedürftiger gefährden gute Lernbedingungen ebenso wie prekäre Beschäftigungsverhältnisse, unentlohnte Vor- und Nachbereitungszeit von Betreuungsangeboten oder mangelnde Anerkennung der beruflichen Leistungen.

Die Linke bekennt sich zum gemeinsamen Lernen von Kindern und Jugendlichen von der Vorschulzeit bis zur zehnten Klasse. Ziel unserer Schulpolitik bildet dabei immer die inklusive Gemeinschaftsschule, die eine möglichst umfassende soziale Teilhabe für alle ermöglicht – trotz der im kapitalistischen System inhärent unterschiedlichen sozialen Ausgangs- und Startbedingungen. 

Gute Bildung in der KiTa

In Kindertagesstätten muss Kindern eine Umgebung geboten werden, an dem sie gemeinsam ihre individuelle Persönlichkeit entwickeln und ihrer Neugier- und Entdeckungsfreude nachkommen können. Dafür darf die Kindertagesstätte nicht als Verwahranstalt in Massen“betreuung“ verstanden werden sondern als Bildungseinrichtung, in der wissenschaftlich fundierten und kindzentrierten Fachkraft-Kind Relationen unabdingbar sind. Dafür müssen nicht nur die formal dem Betreuungsschlüssel entsprechenden Stellen besetzt werden, sondern auch eine Besserstellung und höhere Anerkennung von Erzieher*innen gewährleistet werden. Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung ist es, eine tarifvertragliche Entlohnung während der gesamten Ausbildungszeit konsequent auszubauen und in den Kindertagesstätten die Arbeits-und Rahmenbedinungen zu verbessern um die qualifizierten Fachkräfte im Stadtgebiet zu binden. Ebenfalls muss die Attraktivität des Berufsbildes durch kontinuierliche und qualifizierte Fort-und Weiterbildung ermöglicht werden. Dies erfordert die Möglichkeit, auch die Zeit für regelmäßige und anspruchsvolle Fortbildungen aus einem breiten Angebot, auszuwählen. 

In einer sprachlich und kulturell diversen Stadt wie Mainz muss  dabei die Entwicklungen und Haltung zu essentiellen Themen wie Vielfalt und Inklusion von besonderer Bedeutung sein. Eine inklusive und kindzentrierte Bildung wird in allen Kindertagesstätten gelebt, dies muss sich für die Beschäftigten auch in der Entlohnung widerspiegeln. Viele Kommunen im Rhein-Main Gebiet haben damit die Attraktivität des Berufs deutlich gesteigert und eine Vielzahl qualifizierter Fachkräfte gewonnen. Durch niedrigschwellige Angebote muss dazu auch die Möglichkeit der Teilhabe am mittelbaren und unmittelbaren Sozialraum für die Einrichtungen gewährleistet werden. Ein überfälliger Schritt dabei ist, eine kostenfreie Beförderung mit dem ÖPNV für Kindertagesstätten, sowie der Eintritt in kommunale Kunst-und Kultureinrichtungen. Dies gilt es in gänze ebenfalls für alle Einrichtungen der Kinder-und Jugendhilfe zu übernehmen. Durch die Nutzung lokaler Ressourcen und regionaler Kulturhistorie können pädagogische Fachkräfte individuelle und wichtige Denk und Lernprozesse anstoßen und begleiten.

 Um bereits in der Kindertagesstätte den Spracherwerb und vorallem die Sprachlust auszubauen, sind die kommunalen Sprachförderangebote auszubauen und zusätzliche Stellen für Sprachförder*innen zu schaffen, sowie entsprechende Weiterqualifizierungen für die Beschäftigten anzubieten,

Bis zu einer flächendeckenden Einführung von Ganztagsschulen haben Hörte, neben Krippen, für berufstätige Eltern eine besondere Bedeutung. Es muss angestrebt werden, auch diese Bildungseinrichtungen vollständig gebührenfrei zu gestalten und durch ein regionales und frischgekochtes  dort angebotenes Mittagessen auch allen Kindern unabhängig vom Status und Einkommen ihrer Eltern eine entsprechende warme Mahlzeit zu ermöglichen. Die sich verändernden Beschäftigungsverhältnisse  machen es notwendig, innerhalb der Stadt die Entwicklung und Bedarfsplanung im Blick zu haben.und frühzeitig kindzentrierte und beschäftigtenfreundliche Angebote zu ermöglichen und zu koordinieren. So sind von 7-20 Uhr kommunale Betreuungsmöglichkeiten anzubieten, die allerdings nicht zu Lasten des Wohles der Kinder und der Rechte Beschäftigten gehen dürfen. Diesen sind in Arbeitsverhältnissen solche Arbeitszeiten zu ermöglichen, die ihnen jeweils einen Ausgleich für die belastenden Tätigkeiten bieten und die Teilhabe am gesellschaftlichen und familiären Leben ermöglichen.

Eine Schule für alle!

Unser Anspruch an Bildungsgerechtigkeit erfordert die flächendeckende Einführung einer gemeinsamen Schule aller bis zur 10. Klasse. Dafür muss das bisherige Angebot an Gesamtschulen deutlich ausgeweitet werden. Eine vierte Gesamtschule reicht nicht, es sind die fünfte und sechste notwendig und das im Mainzer Norden, um die Schulwege deutlich zu verkürzen. Für den perspektivischen Umbau des Bildungssystems zu mehr Bildungsgerechtigkeit muss nicht nur auf die Errichtung weiterer Gymnasien verzichtet werden, auch die bestehenden sollen keinem Tabu mehr unterliegen in für alle gemeinsame Schulen überführt zu werden – nur so lässt sich das mehrgliedrige Schulsystem überwinden und der Leistungsdruck abbauen. 

Mainz wächst, aber das wohnortnahe Angebot an Schulen nur bedingt. Besonders im Grundschulbereich, aber auch die Gesamtschulen betreffend sind durchgängig wohnortnahe Schulen zu schaffen und entsprechend bei der Ausweisung von Neubaugebieten ebenso wie KiTas mit einzuplanen. 

Schule sollte schon längst nicht mehr ein Kasernenvorhof sein. Die bauliche Situation und räumliche Ausstattung von Schulen muss deutlich verbessert werden. Nicht nur für notwendige Renovierungen und Instandhaltungen muss zeitnah gesorgt werden, auch Räume für Schulkantinen, Arbeitsplätze für Lehrer*innen und Räume für Ganztagsangebote müssen geschaffen werden – besonders im Grundschulbereich auch ersatzweise durch den deutlichen Ausbau der Hortplätze.Die Ausstattung und der Ausbau von Schulpsychologie und Schulsozialarbeit ist ebenso notwendig und überfällig, wie die Verbesserung der personellen Ausstattung, um Inklusion weiter zu ermöglichen.  Die Stärkung der Beschäftigten, die Verbesserung der räumlichen und infrastrukturellen Situation müssen dabei eindeutig Vorrang haben vor Fragen der Digitalisierung und der Ausstattung mit schnell veraltenden technischen Geräten. Zu achten ist außerdem darauf, dass keine Schule in ihrer Ausstattung abgehängt wird. 

Die Einwirkungen der Kommune auf den schulischen Unterricht sind begrenzt – aber dennoch kann sie darauf hinwirken, dass die Kostenfreiheit von Bildung auch für alle außerschulischen Lernorte erreicht wird, um allen umfassend die Teilnahme zu ermöglichen und unabhängig von Anträgen und Bittgesuchen zu erreichen. Desweiteren sind aus den gleichen Gründen für alle Schüler*innen Bildungsgutscheine einzuführen, die ihnen in kommunal geförderter Kultur kostenlosen Eintritt ermöglicht. Nicht nur die gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten von Schüler*innen muss erhöht werden, auch die in den Schulen ist die Stärkung der demokratischen Beteiligung von Schüler*innen und Lehrer*innen notwendig, um deren Teilhabe an den Bildungsprozessen und der strukturellen Gestaltung der Schulen zu erhöhen. Das erfordert auch von Seiten der Kommune eine erhöhte Bereitschaft innovative Modelle zu unterstützen und umzusetzen. Dazu gehört beispielsweise, dass eine Anpassung an längst bekannte Erkenntnisse zur Uhrzeit des Schulbeginns notwendig ist, zumindest in optionalen Modellversuchen. 

Bücherstadt Mainz

Statt teurer Großprojekte ist die Grundversorgung mit Büchern und anderen Medien für alle besser zu gewährleisten. Dazu gehört nicht nur eine Erweiterung und eine notwendige Modernisierung der Stadtbücherei, sondern auch eine Besserausstattung und Modernisierung der Stadtteilbüchereien. Diese sind als kommunikative Räume mit hoher Aufenthaltsqualität auch für junge Menschen neu mit modern ausgestatteten (Gruppen-)Arbeitsplätzen zu gestalten. Und um junge Kinder und Menschen mit eingeschränkter Mobilität besser zu erreichen, fordern wir die Einrichtung eines Bücherbusses mit einem grundständigen Buchsortiment und der Option auf Buchbestellungen, der besonders Schulen und die Stadtteile ohne Bücherei mit Büchern versorgt und mehr Mainzer*innen an Buchkultur heranführt. 

Bildung und Lernen sind aber schließlich nicht nur Themen für ganz bestimmte Altersgruppen, sondern für alle. Menschen jeden Alters haben ein Anrecht auf Bildung und die Ermöglichung des Zugangs zu dieser. Besonders aber elementare Bildungsangebote wie Deutsch-Sprachkurse oder das Nachholen von Schulabschlüssen muss gezielt Menschen jeden Alters zugänglich gemacht werden und auf etwaige Freistellungen im Arbeitsleben gedrängt werden. Wir brauchen eine positive Kultur des Lernens, die allen umfassende soziale Teilhabe ermöglicht. Als Ort, an dem diese Bildungsaufgaben angeboten werden können, dient vorrangig auch die kommunale Volkshochschule VHS. Die Arbeitsverhältnisse dort sind allerdings oftmals prekär – statt fester tariflicher Beschäftigung, reihen sich Honorarverträge aneinander.

Ausbildung 

Ausbildungsberufe müssen aufgewertet und stärker anerkannt werden. Die Stadt hat dafür Vorbildcharakter für alle anderen auszubildenden Betriebe und soll inklusive ihrer kommunalen Betriebe eine Ausbildungsquote von x% erreichen. Zu den sozialen und wirtschaftlichen Kriterien bei der Vergabe ihrer Aufträge gehören nicht nur die Anforderung der Tarifbindung an externe Unternehmen, sondern auch dass diese Betriebe ausbilden müssen, um entsprechend bei einer Ausschreibung berücksichtigt werden zu können. 

In Mainz muss man sich Ausbildung auch leisten können: leider entsprechen zahlreiche Ausbildungsvergütungen nicht einem Mindesteinkommen, wie es durch den Mindestlohn vorgegeben ist. Und selbst damit ist es in einer überteuerten Stadt wie Mainz schwer, über die Runden zu kommen. Die Stadt steht nicht nur in der Verpflichtung entsprechenden günstigen Wohnraum zu schaffen, sondern auch eine unabhängige und lokale Beratung für Auszubildende und Ausbildungsinteressierte zu schaffen: jenseits der großen Berufsmessen, die oftmals nur als günstige Rekrutierungsfelder für Großkonzerne dienen. 

Bildung muss antirassistisch sein

Der gesellschaftliche Rechtsruck macht auch in einer Stadt wie Mainz nicht Halt. Gerade im Bereich der Bildung lässt sich dieser aber umfassend bekämpfen – für Betroffene von Diskriminierung in KiTa, Schule oder Universität ist eine unabhängige Beschwerdestelle für Schüler*innen, Lehrer*innen und Student*innen einzurichten. Die Sensibilisierung in den Bildungseinrichtungen für alle Formen von Diskriminierung muss aber weiter gehen: Initiativen wie das NDC oder SCHLAU fördern das Bewusstsein von Diskriminierungen, daneben soll Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu umfassender Förderung ermöglicht werden. Keinen Raum für Diskriminierungen zu bieten muss gesellschaftliches Ziel eines städtischen Zusammenlebens sein. 

Kinder und Jugendliche brauchen neben guter Bildung auch offene, nicht-kommerzielle Freizeitmöglichkeiten und die Möglichkeit zur demokratischen Teilhabe an der Gesellschaft. Ihre Interessen müssen bei den Planungen und Projekten der Stadt berücksichtigt werden. Daher fordern wir die Einrichtung eines Jugendparlamentes, das möglichst repräsentativ zusammengesetzt ebenfalls eine Selbstermächtigung von Jugendlichen bedeutet. 

Die Teilhabe am öffentlichen Raum muss ebenfalls durch eine Erhöhung der Fördermittel für Kinder- und Jugendeinrichtungen, für selbstorganisierte Festivals gestärkt werden.