Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Nihal Bayram

HÄNDE WEG VON ŞENGAL! HÄNDE WEG VON ROJAVA!

In der Nacht des 25. April 2017 um 2:30 Uhr Ortszeit hat das türkische Militär mit insgesamt 26 Kampfflugzeugen Amûd und Geliyê Kersê in der Region Şengal/Sinjar (im Nord-Irak) und die Region Rojava (in Nord-Syrien) angegriffen.

In der Nacht des 25. April 2017 um 2:30 Uhr Ortszeit hat das türkische Militär mit insgesamt 26 Kampfflugzeugen Amûd und Geliyê Kersê in der Region Şengal/Sinjar (im Nord-Irak) und die Region Rojava (in Nord-Syrien) angegriffen.

Dabei wurden gezielt die Radiostationen Dengê Rojava und ÇIRA-FM in Şengal, sowie die Stützpunkte der kurdischen Volksverteildigungseinheiten YPG in Karaçokê/Dêrik in der Region Rojava, angegriffen.

Mehrere Widerstandskämpfer*Innen der Volksverteidigungseinheiten von Rojava (YPG), Zivilist*Innen, Widerstandskämpfer*Innen der Volksverteidigungseinheiten von Şengal (YBS) und Pêşmerga-Kämpfer wurden bei diesen Angriffen getötet, mehrere Zivilist*Innen dabei zum Teil schwer verletzt.

Ein zentrales Ziel des Angriffs waren Dengê Rojava Radio und ÇIRA-FM, die Radiosender der Êzid*innen in Şengal.

Warum waren Şengal und Rojava das Ziel dieser Angriffe?

Mit dem Angriff des Islamischen Staates IS auf die Region Şengal am 3. August 2014 begann der 73. Genozid an den Êzîd*innen, der bis heute noch anhält. 400.000 Menschen wurden binnen weniger Stunden zu Flüchtlingen, da die KDP-Pêşmerga den versprochenen Schutz vor dem IS nicht bot, vor dem IS floh und die Zivilbevölkerung schutzlos zurücklies. 10.000 Êzîd*innen sind „verschwunden“ oder getötet worden. Etwa 3.000 êzîdische Frauen und Kinder haben es aus der IS-Gefangenschaft geschafft, zu fliehen und sich zu befreien. Doch immer noch werden fast 4.000 Frauen und Kinder noch als Sklavinnen des IS misshandelt, verkauft und vergewaltigt.

Dank der PKK-Einheiten, Dank der Volksverteidigungseinheiten der YPG und Dank der Frauenverteidigungseinheiten YPJ aus Rojava konnten im August 2014 zehntausende Menschen, welche im Şengal-Gebirge vom IS eine Woche lang in der extremen Hitze des Sommers umzingelt waren, durch einen Fluchtkorridor gerettet werden.

Da die Êzîden nur noch in der Region Şengal überlebt haben, bestimmt Şengal die Existenz der ezidischen Religionsgemeinschaft.

Die YPG, die YPJ und die YBS sind diejenigen Volksverteidigungseinheiten, es sind diejenigen Kräfte, welche im Norden des Irak und in Syrien die barbarische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit eigenen Kräften bekämpfen. Diese mutigen Frauen und Männer Kurdistans sind es, welche den IS Schritt für Schritt aus den besetzten Gebieten vertreiben. Diese mutigen Frauen und Männer Kurdistans sind es, welche die eingekesselte und unterdrückte Bevölkerung von der grausamen Gewalt des IS befreien und welche damit ein weltweites Zeichen des Mutes und der Stärke manifestieren.

Welches Ziel steht hinter diesen Angriffen?

Die Syrische Demokratische Versammlung (MSD) erklärte hierzu folgendes:

“Während die Rakka-Operation im Gange ist und unsere Kräfte Siege gegen den IS erringen, bombardieren türkische Kampfflugzeuge unsere Stützpunkte in Karaçokê und in der Umgebung von Şengal. Diese Angriffe zeigen, dass der türkische Staat die Rakka-Operation zunichtemachen möchte, um dem IS eine Atempause zu verschaffen.”

Die Türkische Regierung, das Türkische Militär, handelt unter der Leitung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und der AKP-Regierung. Diese Luftangriffe gegen die Êzîden in der Region Şengal und gegen die Menschen in der Region Rojava dienen einzig und allein der barbarischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das Türkische Militär fungiert damit als eine Luftwaffe des IS im Irak und in Syrien.

Diese Luftangriffe erfolgten 10 Tage nachdem R.T. Erdogan die Abstimmung zum Referendum vom 16. April 2017 mit Hilfe von zahlreichen Wahlmanipulationen für sich entscheiden ließ, um sein Präsidialsystem in der Türkei einzuführen und ein diktatorisches Großreich in der Region unter seiner Herrschaft aufzubauen.

Kurz nach den Wahlen, deren Manipulation zahlreich öffentlich belegt wurde, und nachdem Erdogan bereits Tausende Oppositionelle, Journalist*innen, Gewerkschaftler*innen, Schriftsteller*innen, Akademiker*innen, gewählte Parlamentsabgeordnete, Bürgermeister*innen und weitere Mitarbeiter der Stadtverwaltungen und der HDP, der Partei der demokratischen Völker, verhaften ließ, ließ Erdogan nun den Ausnahmezustand erneut verlängern.

Menschenrechtsverletzungen gegenüber Kritiker*innen der Regierungen, extralegale Tötungen durch „Unbekannte“, Folter und Verhaftungen, Vertreibungen, willkürliche Entlassungen und weitere zahlreiche Schikanen sind seit Jahren zentrale Gründe für den Widerstand der Zivilbevölkerung gegen die Türkische Regierung und ihre Grausamkeiten.

Die jüngsten Angriffe sind ein Angriff auf das neue Leben, das Überleben in Şengal und Rojava.

Die jüngsten Angriffe sind ein Versuch der Türkischen Regierung, die ezidische Glaubensgemeinschaft auszulöschen und die Region Rojava, das weitweiter Vorzeigemodell für eine basis-demokratische Lebensstruktur, in aller Form zu vernichten.

Daher fordern wir:

- die Völkergemeinschaft, den UN-Sicherheitsrat und alle die betreffenden internationalen Organisationen dazu auf, unverzüglich und adäquat zu reagieren und alle entsprechende Maßnahmen zum akuten Schutz der Eziden zu ergreifen!

- die Bundesregierung auf, den schmutzigen Handel mit der Türkischen Regierung sofort zu beenden.

- alle demokratischen Kräfte dazu auf, unsere Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen, sich mit uns in allen Ebenen des Widerstandes zu solidarisieren und damit den Widerstand gegen Barbarei, Assimilation und Gewalt zu verstärken!

Wir fordern Solidarität, Solidarität, Solidarität!

Demokratisch-Kurdische Gesellschaftszentrum Mainz

Viyan Frauenverein Mainz

Kreisverband Die Linke Mainz/Mainz-Bingen


Pressekontakt

Für Anfragen erreichen Sie unser Presseteam unter presse@dielinke-mz.de