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DIE LINKE. STADTRATSFRAKTION MAINZ

Kältetod einer Wohnungslosen: Nicht zur Tagesordnung übergehen!

Die 72-jährige Wohnungslose, die vergangene Woche tot aufgefunden wurde, ist erfroren. Es ist einfach schrecklich, dass eine Frau in einem reichen Land mit leerstehenden Häusern und dann noch unweit der Uniklinik in einer Dezembernacht den Kältetod sterben muss.

 

Der Fall wirft Fragen auf und zeigt auch, wie schwierig und komplex die Probleme der Wohnungslosen sind.

Die Verstorbene hatte in der Vergangenheit abgelehnt, in eine Unterkunft gebracht zu werden oder einen anderen Übernachtungsplatz zu bekommen - die Gründe hierfür kennen wir nicht. Doch auch dieser Umstand kann und darf nicht dazu führen, dass wir einfach zur Tagesordnung übergehen. Ein Sozial- und Solidarsystem ist nur stark, wenn es engmaschig ist. Wenn Menschen durch das System fallen, weil ihre Umstände kompliziert oder unübersichtlich sind, ist dies ein eklatante Lücke, die so schnell wie möglich geschlossen werden muss. Es darf jetzt kein Zurücklehnen geben mit der Haltung „sie wollte ja keinen Schlafplatz“ – es ist die Aufgabe richtiger Sozialpolitik, auch denjenigen zu helfen, auf die nicht die klassischen Schablonen zutreffen.

 

Die Anzahl wohnungsloser Frauen in Mainz ist zur Zeit eine überschaubare aber wachsende Erscheinung. Wohnungslose Frauen sind oftmals auch sexueller Gewalt ausgesetzt und meiden Orte, an denen sich männliche Wohnungslose aufhalten. Seit Jahren wird immer wieder an die zuständigen Stellen appelliert, höhere Kapazitäten für wohnungslose Frauen zur Verfügung zu stellen, intensiver Lösungen für Menschen zu finden, die, egal aus welchen Gründen, nicht in die klassischen Wohnungslosenunterkünfte können oder wollen, und letztendlich eine unbürokratische Gesundheitsversorgung für Wohnungslose bereitzustellen. All das passiert im Schneckentempo und es passiert nur etwas, wenn massiver Druck ausgeübt wird und die zuständigen Stellen gar nicht mehr anders können, um einen Gesichtsverlust zu verhindern – es ist frustrierend.

 

Es könnte eigentlich ganz einfach sein. Jede Frau, die eine Unterkunft oder einen Schutzraum braucht, muss diesen bekommen. Den Wünschen der Frauen nach Schutzräumen und Ruhe muss Rechnung getragen werden. So darf es nicht passieren, dass Wohnungscontainer, die für Frauen aufgestellt, bei Leerstand mit Männern besetzt werden. Es muss immer einen sofort verfügbaren Schutzraum für hilfesuchende Frauen geben und kein Ping-Pong-Spiel zwischen verschiedenen Anlaufstellen, die gegebenenfalls keine Kapazitäten haben. Auch brauchen Frauen eigene Sanitärcontainer und nicht gemischt nutzbare, wie am Fort Hauptstein.

 

Wir trauern um eine Mainzerin und danken allen, die sich ehren- und hauptamtlich dafür einsetzen, den vergessenen Menschen auf den Straßen Hilfe anzubieten. Hoffentlich führt dieser traurige Anlass dazu, dass deutlicher hingeschaut wird und dass wir uns nicht wegducken, wenn Schicksale von Menschen kompliziert und schwierig sind.

 


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