Antrag Kleinräumige Gewaltprävention
Nicht nur bezogen auf das Thema häusliche Gewalt, sondern auch in vielen anderen Bereichen ist immer wieder von einer Zunahme von Gewaltdelikten die Rede. Medien berichten fast täglich von Bedrohungen, körperlichen Auseinandersetzungen sogar Todesfällen.
Besonders häufig werden Frauen in Beziehungen Opfer von Gewalt. Ende 2025 berichtete das BKA von einem neuen Höchststand und bemerkt aber auch, dass die hohe Zahl von fast 266.000 Fällen nur einen Teilausschnitt der Realität abbildet. Denn Häusliche Gewalt, sei es in Partnerschaften oder innerhalb der Familie, geschieht meist im Verborgenen – „hinter verschlossenen Türen“. Viele Taten werden aus Angst, Scham oder Abhängigkeit nicht zur Anzeige gebracht und finden daher keinen Niederschlag in den polizeilichen Zahlen. (https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_HaeuslicheGewalt2024.html)
Partnerschaftsgewalt geschieht in allen sozialen Schichten, unabhängig von finanzieller Ausstattung, Bildungs- und Migrationshintergründen (https://www.bundesstiftung-gleichstellung.de/wissen/themenfelder/gewalt-im-geschlechterverhaeltnis-im-engen-sozialen-nahraum/#risikofaktoren-und-risikosituationen).
Seit vielen Jahren schon gibt es diverse Ansätze in der Gewaltprävention, die zielgruppenspezifisch angewandt bzw. im Rahmen von Seminaren und Projekten angeboten wird.
Expert*innen empfehlen u.a. die Vermittlung von egalitären und gewaltfreien Geschlechterbeziehungen in der Bildungs- und Nachbarschaftsarbeit. (https://www.bundesstiftung-gleichstellung.de/wissen/themenfelder/gewalt-im-geschlechterverhaeltnis-im-engen-sozialen-nahraum/#praevention-von-gewalt).
Das Projekt StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt (https://stop-partnergewalt.org/) verfolgt hierbei einen besonderen Ansatz, der das Gemeinwesen als Ganzes miteinbezieht und aktiviert. Über einen langen Zeitraum wird im Zusammenspiel mit Anwohner*innen, regionalen Akteur*innen, Organisationen und Kommunen eine auf die Bedingungen vor Ort angepasste Strategie zur Gewaltprävention aktiv entwickelt. Daraus entsteht je nach Gegebenheiten ein Netzwerk und spezifisch angepasste Aktionen und Angebote, die von allen Beteiligten getragen und vermittelt werden. Dies ist unseres Erachtens ein gelungenes Beispiel, um Menschen für das Thema zu sensibilisieren, den Austausch zu ermöglichen, was den Zugang zu Hilfsangeboten erleichtert und zudem das Gemeinwesen aus sich heraus stärkt.
Sicher gibt es noch weitere Ansätze dieser Art, die es sich anzuschauen lohnt.
Inwiefern StoP oder ein anderes Konzept für Mainz von Nutzen sein kann, lohnt einer Überprüfung.
Aus diesen Gründen beantragen wir:
- Die Verwaltung wird gebeten, gemeinsam mit dem Quartiersmanagement Soziale Stadt, dem Frauenbüro/der Gleichstellungsstelle und dem Jugendamt zu prüfen, ob eine kleinräumige Gewaltprävention für Mainz sinnvoll wäre. Hierzu sollen bereits vorhandene Konzepte als Diskussionsmaterial dienen.
Die Verwaltung wird gebeten, den zuständigen Ausschüssen und dem Stadtrat über das Ergebnis der Vorüberlegungen Bericht zu erstatten und Vorschläge zum weiteren Vorgehen zu unterbreiten.
