Caveau darf bleiben. Vorerst.

Johann Everding
PM Sozialpolitik

Zuerst die gute Nachricht: Das Caveau darf bleiben. Alternative-Fans atmen auf. Die Mainzer Kulturszene muss also nicht noch einen Verlust wegstecken. Wir erinnern uns: Ende 2023 mussten Capitol & Palatin schließen. Die einzigen, verbliebenen Programmkinos gibt es nun nicht mehr. Was hat das mit dem Caveau zu tun? Eine Sache ist gleich: Die leidige Sorge um den Pachtvertrag.

Warum darf das Caveau bleiben?

Das weiß niemand so recht. Gegenüber dem Sensor sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Georg Krausch, der Grund seien Mängel beim Brandschutz gewesen. Gewisse Lagerräume dürfen nun nicht mehr genutzt werden. Der Betrieb kann aber fortgesetzt werden.

Und deshalb soll die Universitätsverwaltung jetzt gekündigt haben? Warum hat sie das Caveau-Betreiber Wieland Wittmeier nicht vor der schriftlichen Kündigung mitgeteilt? Das Kündigungsschreiben hat Wittmeier Anfang dieser Woche nach eigener Aussage völlig überrascht. Es habe keine Ankündigungen oder Kontaktaufnahme gegeben, sagt Wittmeier auf Instagram. Warum sollte er dabei die Unwahrheit gesagt haben? Das Caveau gibt es seit fast 40 Jahren; über die Hälfte der Zeit betreibt Wittmeier den einmaligen Rock-Club. Gibt es von Univ.-Präsident Krausch etwa nicht den Willen, diesen Club zu erhalten, in dem schon zahlreiche Unipartys stattgefunden haben? Die Antworten auf all diese Fragen wird er uns wohl schuldig bleiben.

Warum also darf das Caveau bleiben?

Ohne den öffentlichen Druck hätte es die Rücknahme der Kündigung womöglich nicht gegeben. Es sind die Mainzer*innen, die die Univerwaltung dazu gezwungen haben, ins Gespräch zu gehen. Ohne uns alle hätte sich wahrscheinlich auch nicht Oberbürgermeister Nino Haase eingeschaltet. Der Erfolg ist also zu großen Teilen den Menschen zu verdanken, die das Sterben von Kneipen, Kinos und Clubs nicht mehr hinnehmen. Dabei ist das Caveau kein Club wie jeder andere, sondern er verkörpert und lebt Gleichheit und soziale Gerechtigkeit.

„Die Nischenkulturstätte Caveau ist — neben dem ATG (Alexander the Great) — einer der wenigen Orte, an denen noch Punkrock gespielt wird und kleinere Bands auftreten können. Außerdem ist das Caveau ein Ort, wo sich Frauen sicher fühlen können und der Eintritt bezahlbar ist.“ — Malu Engelhardt, Kreisvorstand Mz./Mz.-Bin.

Das Bekenntnis der Linken Mainz/Mainz-Bingen ist vollkommen klar: Mehr und langfristigere Kulturförderung! Die Stadt Mainz soll für ein gutes, breites und finanziertes kulturelles Angebot garantieren. Mainz steht im Übrigen auch bei den Gemeinden im Landkreis in der Verantwortung, gute Kulturpolitik zu betreiben, da die Landeshauptstadt die Aufgabe hat, die umliegenden Gemeinden kulturell mitzuversorgen.

Darf das Caveau jetzt wirklich bleiben?

Und jetzt die schlechte Nachricht: Genau genommen konnten wir nur einen Teilerfolg erzielen. Der Pachtvertrag bleibt zwar erhalten; es verlängert sich sogar die Kündigungsfrist. Aber das bedeutet, dass das Caveau immer noch vom Gusto der Universitätsverwaltung abhängig ist. Es ist ihr Recht, dem Cavau zu kündigen, wann immer sie es will. Das Caveau müsste dann innerhalb der Kündigungsfrist zusehen, ob es eine geeignete Location in Mainz findet. Doch wo soll die bitte sein? Eine Alternative gibt es schlicht und ergreifend nicht.

Auch das ist ein Problem, das die Stadt Mainz in Angriff nehmen muss: Wir brauchen dringend mehr Räume für Kultur in Mainz; wir brauchen ein Kulturzentrum in der Stadt. Martin Malchereck, Mitglied der Stadtratsfraktion der Linken in Mainz, hat bereits mehrfach angeregt, z. B. die Dragoner-Kaserne am Mombacher Tor zu nutzen, aber es gäbe auch andere denkbare Möglichkeiten.

„Das Caveau ist vorerst gerettet. Ich sage vorerst gerettet. Wir brauchen weiterhin eure Untersützung und euren Support.“ — Arwe, Caveau Mainz

Die Lage bleibt also ungewiss. Wie schön wäre es, in einer Welt zu leben, in der die Kulturszene Planbarkeit und Sicherheit hätte — eine Welt, in der Kultureinrichtungen nicht von Einzelpersonen (ob nun natürliche oder juristische Personen) abhängig wären. Ein ähnlicher Fall mit unglücklichem Ausgang ereignete sich im Mainzer Bleichenviertel Ende 2023: Dem Programmkino Capitol & Palatin wurde der Pachtvertrag gekündigt. Der Gebäudekomplex in der Hinteren Bleiche, in dem sich die Säle des Palatin befunden haben, soll nach dem Willen der Eigentümergesellschaft Fischer & Co. abgerissen werden. Damit wird es auf Jahre kein Programmkino in Mainz geben. Zukunft ungewiss. Auch der bereits angesprochene Rock- und Metalclub ATG (Alexander the Great), der sich in demselben Gebäude befindet, muss schließen. Ein herber Rückschlag für die Mainzer Kulturszene. Und alles nur, weil die Kultur von Pachtverträgen abhängig ist. Wer weiß, ob die Univerwaltung nicht auch plant, langfristig das Gebäude des Caveau aufzugeben. Dann muss die Stadt reagieren und ihr Vorkaufsrecht nutzen, damit das Caveau erhalten bleiben kann.

Hin zum demokratischen Sozialismus

Der konkrete Mehrwert, den Verpächter*innen einem Pachtobjekt verleihen, ist dabei nicht erkennbar. Es gibt Menschen, die Häuser bauen, und es gibt Menschen, die sie kaufen und die sie dann Menschen und Betrieben vermieten. Warum können wir diesen unnötigen Zwischenschritt nicht einfach überspringen? Es wäre doch viel besser, wenn das Haus einer Gemeinschaft oder der Gesellschaft gehören würde. Dann könnten alle mitentscheiden, was mit dem Haus passieren soll: Was muss saniert werden, worin soll investiert werden, muss die Miete erhöht werden?

All das länge in der Hand der Mieter*innen, wenn das Haus in Gemeineigentum wäre. Den Verwaltungsjob könnten wir Mieter*innen selbst übernehmen bzw. jemanden damit beauftragen, der uns Rechenschaft ablegen muss; dazu brauchen wir keine Vermieter*innen. Das ist ein wichtiger Schritt hin zum demokratischen Sozialismus. Das heißt übrigens nicht, dass das immer alles der Staat machen muss. Das geht auch in sogenannten eingetragenen Genossenschaften, wo alle eine Stimme haben. Wohnung- und Baugenossenschaften gibt es schon seit mehr als hundert Jahren. Ein bewährtes, krisensicheres Prinzip also. Im Übrigen beenden wir auf diese Weise ganz nebenbei einen Teil der Wohlstandsumverteilung von unten (den Mieter*innen) nach oben (den Vermieter*innen), denn eine Gewinnabsicht, zu der das Einkommensteuergesetz Vermieter*innen zwingt, entfällt. Und uns Mieter*innen bleibt mehr Geld. Gut so!

Martin Malcherek (Stadtratsmitglied)